2013-08-03

Fast.


Fast ein Jahr ist seit meiner Rückkehr schon vergangen. Und fast wäre es auch mit der versprochenen Bilanz nichts mehr geworden. Wäre ich nicht in Afrika gewesen, wäre es mir wahrscheinlich peinlich gewesen, etwas so lang Versäumtes wie diesen Eintrag nachzuholen. Doch in Burkina Faso habe ich gelernt, dass langsam nicht immer schlecht ist. Dass die meisten Dinge Zeit brauchen, um zu reifen.

Es ist mir sehr schwer gefallen, mit den Erlebnissen meines Jahres in Afrika umzugehen. Sie waren für mich so voller Emotionen und offener Fragen, dass ich sie innerlich in eine große Truhe gepackt und verschlossen habe. Ich war nicht in der Lage, mich ihnen zu stellen und gleichzeitig hier wieder in mein deutsches Leben zu finden. Ich musste sie loswerden, um Luft zum Atmen zu bekommen.

Nun ist es jedoch an der Zeit, die Truhe zu öffnen. Ich habe in den letzten Wochen meine Fotos sortiert und ein Fotoalbum über mein FSJ erstellt. Dabei habe ich viele Situationen noch einmal durchlebt. Gerüche, Stimmen, Geräusche, Gefühle - plötzlich war alles wieder da. Ich wäre am liebsten gleich in den Flieger gestiegen. Burkina Faso fehlt mir so. Ich habe das Land und vor allem die Menschen wirklich lieben gelernt - trotz und auch wegen allem, was ich dort durchlebt habe.

In besonders guter Erinnerung geblieben ist mir das Miteinander. Die Menschen verbringen viel mehr Zeit gemeinsam. Man sitzt, unterhält sich, trinkt Tee und isst - gemeinsam. Man verbringt viel mehr Zeit auf diese Weise als bei uns. Wir schließen uns lieber ein, wollen nicht gestört sein, möchten nur angekündigten Besuch. Das ist dort anders. Man freut sich über Besuch, auch über unpassenden.
Man lebt miteinander und teilt miteinander. Ich war zugegebenermaßen erst einmal irritiert, als ich das Essen, das eigentlich nur für zwei Personen gereicht hätte, plötzlich mit drei weiteren Leuten teilen sollte, die gerade zufällig vorbeikamen. Oder als mein Laptop plötzlich verschwunden war ("Eh...ja, den hat der Freund eines Freundes mitgenommen.").  Oder aber als ich eben diesen verliehenen Laptop schmutzig zurück bekam. Er wurde benutzt, als wäre es der eigene gewesen - ganz selbstverständlich. Mit etwas Überlegung kann ich dieses Teilen jedoch richtig gut finden. Und auch wenn diese Lebensweise sicherlich nicht zuletzt der wenigen Arbeit und der vielen Armut im Land geschuldet ist, bin ich überzeugt davon, dass ein bisschen mehr von ihr auch unsere Lebensqualität verbessern könnte. Weniger Arbeiten - mehr Miteinander!

Doch ich habe nicht nur gute Erinnerungen. Auch ein ganz bitteres Erlebnis fiel mir wieder ein. Gegen Ende meins Aufenthaltes fuhr ich mit meinem Freund in dessen Heimat. Wir besuchten die Familie und einige Bekannte. Dazu gehörte auch eine Frau, deren Mann in seinem Kiosk, der eines Nachts Feuer gefangen hatte, verbrannt war. Sie musste sich nun alleine mit der Großmutter und ihren sechs Kindern durchschlagen. Dies war besonders schwierig, da sich das Geld der Familie in dem Kiosk befunden hatte und der Frau nur noch die 3 Euro verblieben waren, die sie an jenem Tag bei sich getragen hatte. Bei unserem Besuch fiel meinem Freund auf, dass die beiden jüngsten Kinder (beide noch ganz klein) gar nicht zu Hause waren. Auf seine Frage hin erfuhren wir, dass sie verhungert waren.

Dies ruft mir unweigerlich in Erinnerung, was ich so unbedingt verdrängen wollte: wie arm die Menschen dort wirklich sind. Und wie arrogant wir sind, die wir unseren Alltag als gegeben hinnehmen. Teilen kommt uns selten wirklich in den Sinn. Es würde eine Einschränkung für uns bedeuten, zu der wir nicht bereit sind. Doch: Ist das gerecht? Wie rechtfertigen wir das? Warum wir? - Vor diesem Hintergrund empfinde ich es geradezu als beschämend, dass ich in Burkina Faso mit offenen Armen empfangen wurde.

Und so verbleibe ich mit diesen Fragen und trete doch nur auf der Stelle, denn auch mich hält der Alltag inzwischen wieder gefangen. In der Hoffnung, mich hin und wieder dessen besinnen zu können, was ich in Burkina Faso erlebt habe, danke ich allen von ganzem Herzen, die dieses Erlebnis für mich möglich gemacht haben. Insbesondere seien an dieser Stelle die Projektbetreuer, meine wunderbaren Kollegen und Arsène erwähnt. Bark wusgo - Dankeschön!


2012-08-09

#Endzeit

Es geht dem Ende entgegen. Um genau zu sein, bleiben mir noch 2 Wochen und ein paar Tage. Da ist es für mich an der Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen. Doch bevor ich dazu komme, hier noch die Kurzform dessen, was seit dem letzten Eintrag passiert ist:

Das Schuljahr ging mit gewohnter Lässigkeit zu Ende. Nicht nur, dass den Lehrern die Puste ausging (ich hatte mich auf diesen Fall gefreut, da ich die Zeit nutzen könnte, um ein paar lustige Sachen mit den Kindern zu machen). Nein, die Schüler kamen auch nicht mehr zur Schule. Die Regenzeit hatte begonnen und fleißige Hände wurden nun im Feld gebraucht. Nun ja, ich radelte also mehr aus Alibi ab und an zur Schule. Man soll ja nicht sagen, die Volontärin käme nie. So verging also die Zeit bis zur Jahresabschlussfeier. Dort konnte ich wenigstens ein bisschen beitragen, indem ich mit den verbleibenden Kindern Girlanden bastelte und Bilder aufging, um ein bisschen Grundschulatmosphäre zu schaffen. Außerdem weiß man bei so einer Feier ja auch nie, was man sagen soll. Also traf es sich doch gut, dass wir über die Volontärin und ihre Aktivitäten reden können. Und zwar lang und breit. Mir war das Ganze superpeinlich, aber was sollte ich tun. Ein Lächeln aufsetzen, den obligatorischen geschenkten Saponé-Hut aufsetzen und mich an einer kleinen Dankesrede in Mooré versuchen (mit Spickzettel, versteht sich). Somit trug ich also weiterhin zur Erheiterung der Feier bei. Kurz und gut: alle sind glücklich und zufrieden mit dem Verlauf des Jahres, Schade nur, dass Burkina Faso ab dem kommenden Jahr für Freiwilligendienste gesperrt wurde und mein Nachfolger nun nach Kamerun gehen wird.



Nach dem Schuljahresende folgten logischerweise die Ferien, von denen ich genau 6 Wochen hier vor Ort habe. Nach einer 10-tägigen Mototour durch Burkina Faso und einem einwöchigem Familienbesuch gehen mir so langsam die Ideen (und die Mittel) aus, was ich noch machen könnte. Insbesondere, da in der Regenzeit hier vieles zum Erliegen kommt, weil die Leute entweder auf dem Feld arbeiten oder sich in ihren Häusern verkriechen. So richtig Lust auf burkinisches Leben habe ich ehrlich gesagt auch nicht mehr. Dazu fehlt mir nach 11 Monaten irgendwie die Energie. Die verbleibende Zeit wird daher wohl so eine Mischung aus Wohnungsauflösung und Souvenirkauf. Schade eigentlich. Gerade in der letzten Zeit sollte man doch profitieren. Doch alles hat seine Grenzen und in meinem Fall ist es die Anpassungsfähigkeit, die sich so langsam von Dannen schleicht. Wie gut, dass es bald nach Hause geht. Eine Rückkehr jedoch keinesfalls ausgeschlossen.

Ups, jetzt habe ich schon wieder so viel geschrieben, dass für die Bilanz gar kein Platz bleibt. Also dann, beim nächsten Mal. Liebe Grüße!

2012-06-10

Alltag


04.30 Uhr (grob geschätzt) Meine Nachbarn stehen auf, um zu beten. Sie öffnen ihre (knarrende) Haustür.
04.35 Uhr Ich rege mich über die Tür auf und beschließe, demnächst wieder im Haus zu schlafen.
04.40 Uhr Ich schlafe weiter.
04.55 Uhr Ein Esel muss ganz in meiner Nähe gerade kurz vor dem Höhepunkt stehen. Ich versuche, nicht daran zu denken und ziehe mir die Decke über den Kopf.
05.00 Uhr Mein neuer Mitbewohner (s. Foto) steht auf. Er verursacht dabei beinahe eine Bruchlandung im Moskitonetz. Der Hahn der Nachbarin erwacht ebenfalls.
05.15 Uhr       Es ist zwecklos. Ich suche meine Taschenlampe und gehe zur Toilette.
05.30 Uhr Der Wecker klingelt (auch schon egal).
06.00 Uhr Mein aktueller Kaffeeentzugsversuch stellt mich hart auf die Probe. Ich mache einen grünen Tee.
06.45 Uhr Wo ist nur die Zeit geblieben? Schnell den Eimer schnappen, mich waschen und rauf auf's Fahrrad.
 07.15 Uhr Ankunft in der Schule. Außer mir und einem Haufen Kinder ist weit und breit noch niemand zu sehen.
07.30 Uhr Die Kollegen treffen ein. Wir plauschen und futtern Erdnüsse.
07.30 Uhr Mit einer kleineren (oder größeren) Verspätung beginnt der morgendliche Sportunterricht. Heute: Flipflop-Hockey. Morgen: wie werfe ich einen Ball.
09.15 Uhr Nach zwei Stunden Sportunterricht bin ich müde. Zunächst also zurück nach Hause.
09.30 Uhr Einen Joghurt, eine Mango - hach ja, das Leben ist schön.
09.35 Uhr Verdammt, das Wasser ist schon wieder alle.
09.40 Uhr Mit Bollerwagen und Plastikkanistern bewaffnet mache ich mich auf den Weg zur Wasserpumpe.
09.50 Uhr Ein paar nette Kinder und/oder Nachbarn sind so freundlich, mir mein Wasser zu pumpen. Meinen Frühsport verschiebe ich also erstmal.
10.10 Uhr Ein Wassersäckchen oder zwei - hach ja, das Leben ist schön.
11.10 Uhr Yoga für Aussteiger (tief ein- und ausatmen und an nichts denken).
12.00 Uhr Ups, nichts zum Mittag da. Macht nicht's, burkinischer Takeaway (afrikanische Mama mit Holztisch) ist eh billiger. :)
12.30 Uhr Zeit für ein Mittagsschläfchen.
15.00 Uhr Nachmittagsunterricht noch nicht vorbereitet? Dann aber mal ranhalten jetzt!
15.30 Uhr Duschen.
15.45 Uhr Spazierfahrt in der Savanne (mein Schulweg).
16.15 Uhr Kunstunterricht. Heute: wie bastele ich eine Girlande. Morgen: wie male ich ein Huhn.
17.00 Uhr Gruß des Direktors
17.30 Uhr Beziehungspflege in meinem Lieblings-Wellblech-Imbiss.
18.30 Uhr Mama-Afrika-Imbiss die II.
19.30 Uhr Moskitonetz aufhängen, Matratze nach draußen und rein in die Federn.
19.35 Uhr A propos Federn - da war doch noch was. Mein neuer Mitbewohner hat seinen Schlafplatz etwas höher gewählt, als ihn seine Flügel tragen. Also stehe ich nochmals auf und bringe das Huhn in Position.
19.40 Uhr Gute Nacht.
21.00 Uhr Überraschung: Besuch!!! *gruml*
21.05 Uhr Teestunde im Schlafoutfit
23.00 Uhr Ich falle vom Stuhl. Man beschließt, mich schlafen zu lassen und kehrt heim.
23.05 Uhr Gute Nacht die 2.

2012-04-03

Was lange währt…



Morgens, 06.00 Uhr. Das mit angenehmen 10 Personen besetzte Buschtaxi hält an der Mautstation. Einer kurzen Unterhaltung zwischen dem Fahrer und dem Beamten folgend, bewegt sich das Gefährt sogleich wieder rückwärts aus der Mautstation heraus. Aha, Streckenkontrolle. Vielen Dank für den Hinweis! Das Taxi verlässt die Straße. biegt in einen Trampelpfad (!) ein und umfährt das betroffene Gelände weiträumig. Wir Passagiere bekommen die Gelegenheit, den Sonnenaufgang sozusagen "ganz ländlich" zu erleben. Außer mir interessiert das natürlich niemanden. Ich aber genieße die geschenkte Zeit und sehe der Sonne dabei zu, wie sie langsam aber sicher die Savanne erobert und die angenehme Frische des Morgens in sengende Hitze verwandelt. Wir kommen spät in Ouagadougou an, doch was lange währt, wird endlich gut. In diesem Sinne: ich habe mich lange nicht gemeldet, habe aber im Grunde auch nur Gutes zu vermelden.

Januar und Februar waren klimatisch gesehen traumhafte Monate. Es war kühl (also in etwa so wie im schönsten europäischen Sommer ;) ) und trocken. Morgens konnte man einen Pulli überwerfen und anschließend den Tag ohne ein dringendes Duschbedürfnis überstehen. Auch das Denken stellte sich, entgegen der Gewohnheit, nicht gegen 10 Uhr morgens ein. Ich fühlte mich endlich wieder lebendig und hatte genügend Energie, mein soziales Leben vor Ort etwas aufzumöbeln. Meine neu- und liebgewonnene Jungsclique wurde ein fester Bestandteil meines Lebens und gestaltete meine Abende in Saponé wesentlich chilliger und aufschlussreicher (denn sie reden viel und sie reden gern, vor allem während der tuaregsche Tee hin- und hergegossen wird!).

Ende Februar hingegen wurde es wieder anstrengender. Meine Eltern hatten sich angekündigt. Und damit nicht genug: mit ihnen kam auch die Hitze zurück. In dieser äußerst unglücklichen Kombination (sie kamen immerhin aus dem großen Frost!) verbrachten wir spannende, aber auch sehr herausfordernde 14 Tage. Mit einem gemieteten Jeep, den unser treuer Fahrer Amado witzigerweise regelmäßig gegen ein ähnliches Modell tauschte, bereisten wir den Süden und den Südwesten von Burkina Faso (Fotos folgen hoffentlich in Kürze). Außerdem verbrachten wir ein paar Tage in Saponé, wo ich versuchte, ein paar Einblicke in "mein" Leben zu geben.

Inzwischen sind die Eltern wieder daheim und die Hitze ist noch schlimmer geworden. Selbst die Burkinabé können nachts kaum schlafen. Dank meines überdurchschnittlichen Schlafvermögens habe ich damit zwar weniger Probleme, jedoch machen mir die Temperaturen tagsüber ganz schön zu schaffen. Bewegung ist nur noch im Ausnahmefall eine Option. Denken sowieso schon gar nicht. Motivierend wirkt da jedoch, dass es auf der Arbeit endlich Fortschritte zu verzeichnen gibt. Letzte Woche haben mich Kathi, Karl und Stephan bei einer Art Ferienspielen an meiner Schule unterstützt. Wir haben Theater gespielt, gekickt und gebastelt und sowohl die Kids als auch wir hatten einen Heidenspaß dabei. Außerdem gilt ab nächster Woche mein Stundenplan, in welchem festgelegt ist, wann ich in welcher Klasse Sport und Basteln/Zeichnen geben darf. Was lange währt…

…wird endlich gut. Somit sind wir auch schon wieder am Ende dieses Eintrages angelangt. Viele Grüße, viel Spaß und bis zum nächsten Mal!

2012-01-22

Yell ka ye!


Yell ka ye!

So, nun beginne ich meinen neuen Eintrag schon wieder mit einem Spruch auf Moore. Dabei hatte ich mir doch bei meinem vorletzten Eintrag erst eingestehen müssen, dass ein Titel in Lokalsprache eigentlich schon ein Titel zu viel war (Anm. d. Red.: Standard, Klischee, und so…). Zudem musste es diesmal ausgerechnet das "Hakuna Matata"-Äquivalent sein (Anm. d. Red.: "Kein Problem"). Ganz genauso, wie man sich das vorstellt also, womit ich immerhin zu meiner anfangs begonnenen Linie zurückkehre. Nun gut, verschwenden wir keine weiteren Worte für unnötiges Abschweifen (für diejenigen, denen dieser Umstand noch nicht aufgefallen sein sollte: eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ;) ) und wenden uns der Erklärung zu, was hier so alles kein Problem ist.

Erstens: Die Zeit. Die ist hier absolut kein Problem. Es ist schließlich reichlich da. Heute ist ein Tag, morgen ist noch einer, übermorgen gar noch einer und ihr ahnt den Fortgang dieser Reihe. Womit also ganz allgemein gesprochen auf einen Tag immer ein weiterer folgt, was demzufolge als logischer Beweis gelten kann, dass die Zeit unendlich ist. Wozu sich also stressen? Was wir in unserem Leben nicht schaffen, macht dann eben ein anderer (oder auch nicht, aber das ist für die reine Einstellungsfrage erst einmal irrelevant, denn schließlich KÖNNTE es ja ein anderer machen). Nennenswert passiert ist in der Zwischenzeit demzufolge nicht besonders viel.

Zweitens: Die Arbeit. Sie ist ebenfalls überhaupt kein Problem. Sie folgt gewissermaßen der Logik in Punkt 1. Um ehrlich zu sein, befinde ich mich nämlich noch immer in meiner Einführungsphase und habe eigentlich noch gar nicht so richtig angefangen… Bisher verbringe ich meine Zeit damit, ab und zu einmal die sechste Klasse zu unterrichten (s. Foto). Dazu sollte ich jedoch erwähnen, dass ich die erste Freiwillige in diesem Projekt bin und beide Seiten erst einmal abklopfen müssen, was in einem solchen Rahmen überhaupt möglich ist. So langsam werde ich dann aber trotzdem unruhig. Mein Betreuer hat mir daher versprochen, sich in den nächsten zwei Wochen noch einmal mit mir zusammenzusetzen und meine Aufgaben zu besprechen.




Drittens: Der burkinische "Style". Vom Prinzip und der Kreativität der Menschen her grenzenlos und der puren Fantasie überlassen (und damit ziemlich viel cooler als der unsere), ist der Kleidungsstil der Jugendlichen in der Realität leider doch oft sehr limitiert, und zwar durch die überhaupt zum Erwerb zur Verfügung stehenden Kleidungsstücke, welche entweder der jüngeren europäischen Vergangenheit oder der asiatischen Massenindustrie (in diesem Fall mit Vorliebe mit entzückenden Glitzerapplikationen) entstammen. Glücklicherweise gesellen sich zu diesen beiden Quellen noch die afrikanischen Stoffe (welche wohl zu großen Teilen leider auch in Asien produziert werden), deren Muster und Verwendungen tatsächlich keine Grenzen kennen, abgesehen von der Prämisse, dass der Mann nach Möglichkeit ein langes Beinkleid zu tragen hat und auch das der Frau zumindest das Knie berühren sollte, wenn es denn schicklich sein soll. Witzigerweise ist auch die Schuluniform keine Uniform im eigentlichen Sinne, sondern besteht lediglich in einer Vorgabe des zu wählenden Stoffes, welcher dann ganz nach persönlichem Belieben von einem Schneider zu einer netten Klamotte verarbeitet werden kann. Kleidungs- und damit Stoff-technisch beginne ich bereits, Vorräte für die Rückreise anzulegen. Haartechnisch habe ich hingegen die ersten stundenlangen Flechtexperimente hinter mir (Ergebnis s. Foto) und damit auch genug für's Erste.




Viertens: Staub, Savannenstaub. Der Blog hätte wirklich kaum treffender betitelt sein können. Er ist überall: roter Staub und mit ihm ein permanenter Geruch von "Baustelle". Er ist im Busch, er ist in der Stadt, er ist in der Schule, er ist in meinem Haus, er ist auf meinem Weg, er ist in meinen Klamotten, er ist meinem Bett, er ist sogar in meinem Kopfkissen und er wohnt inzwischen in meiner Lunge. Aber wir kennen uns nun und leben ganz gut zusammen.


Staubiger Ausblick, hier mit meiner "Gastschwester" Deo Gracias

Fünftens: Sitzfleisch. Ihr bemerkt es mal wieder an der Länge des Eintrags. Wenn man schon einmal zusammen kommt, dann kann das dauern.

Sechstens:  Das Buschtaxi nach Saponé. Geht eigentlich ganz schnell, dauert nur 'nen halben Tag oder so…

Siebtens: Postkarten. Ich hatte ja nun die ein oder andere Karte versprochen. Ich fürchte, von dieser vorlauten Ankündigung leider zurücktreten zu müssen. Die Post IST hier nämlich ein Problem. Seht diesen Blog bitte als virtuellen Ersatz an, falls der ein oder andere Versuch missglücken sollte. (Auch der Ersatz kommt im Übrigen nur über Umwege zu euch, denn da ich hier leider nicht viel im Internet hochladen kann, muss dies meine vielbeschäftigte Schwester, die erschwerenderweise in ihrer Freizeit noch meinen (nicht ganz so vielbeschäftigten) Bruder durch Australien kutschiert, für mich erledigen. Eine E-Mail an sie bekomme ich nämlich mit etwas Glück ab und zu versandt…)

Achtens: Schluss machen bzw. nach Hause gehen IST ebenfalls ein Problem. "Schon? Ach bleib doch noch ein bisschen…" - "Ich will, dass ihr euch gut erholen könnt." - "Ach quatsch, du störst doch nicht." - "Ihr müsst doch morgen früh raus." - "Äh! (kurzer, giekiger Laut)" - (gedacht: "ICH muss aber morgen früh raus und ICH bin so müde, dass ich gleich vom Stuhl falle.") gesprochen: "Nagut." Daher mache ich jetzt ganz unafrikanisch an dieser Stelle Schluss. ICH finde nämlich, dass es schon wieder ganz schon viel zu lesen geworden ist. Bis zum nächsten Mal! Gleiche Welle, gleiche Stelle.

2012-01-05

Resümee



Das neue Jahr ist nur wenige Tage alt. Die Stimmung ist nachdenklich.

2011 kommt bei all diesen Gedanken nicht besonders gut weg. Um nicht zu sagen: es landet ganz unten im Klassement meiner Lebensjahre. Es hat mir viele Arten von Stress aufgezeigt, von denen ich die meisten als ziemlich nervige und anhängliche Zeitgenossen identifizieren musste. Manchen habe ich gar den Stempel "verletzend und gesundheitsschädlich" verpassen dürfen*. Und es sind genau diese, die mir in diesem Moment wieder einmal bewusst machen, wie schwierig und langwierig es ist, ihnen zu entkommen. Ich warte nämlich (wieder einmal) auf die Ergebnisse des medizinischen Labors, da ich mir einbilde, irgendetwas in meinem Körper sei nicht in Ordnung. Dabei geht es mir offensichtlich ziemlich gut, was mir der Arzt bereits mehrmals versichert hat.

Wie dem auch sei, ich habe Kopfschmerzen und bin müde. Dabei hatte ich gerade angefangen, mich hier rundum wohl zu fühlen. Den letzten Monat verbrachte ich dermaßen gesund, dass ich sogar einen guten Vorsatz für 2012 vorzog und eine kleine Gymnastikrunde pro Tag einlegte. (Und das immerhin um fünf Uhr in der Früh! Ja, ich war schon ein wenig stolz auf mich…) Auch mein Leben in Saponé wurde inzwischen zu einer Art befriedigender Normalität. Ich bekam so langsam den Kontakt zu mehr und mehr Leuten und fühlte mich auch nicht mehr so "fehl am Platze" wie am Anfang. Zugegebenermaßen ist es wahrscheinlich unmöglich, als Deutsche hier genau das gleiche Leben zu führen wie eine Burkinabè, aber dennoch begann ich, mich ein ganzes Stück gewöhnlicher zu fühlen als noch bei meiner Ankunft.

Überhaupt hat sich meine Wahrnehmung stark verändert. Alle Sachen, die mir am Anfang noch unmöglich vorkamen (und zwar in zweierlei Bedeutung des Wortes "unmöglich", also sowohl die "unerhörten" als auch die wirklich nicht möglich scheinenden Dinge), sind inzwischen zu einer Normalität der unbegrenzten Möglichkeiten geworden. Fand ich am Anfang noch, dass man hier nichts bekäme, so sehe ich inzwischen in jedem Stand und jeder Hütte ein kleines Restaurant oder einen kleinen Laden, der aus den Untiefen seiner Hinterhöfe oder Wandregale so manches unmöglich geglaubte hervorzaubern kann. Auch diejenigen Sachen, die mir am Anfang ganz furchtbar und dringend änderungsbedürftig vorkamen (in der wohl klassischen Sicht einer Europäerin auf ein Land des globalen Südens), sehe ich inzwischen nicht mehr als Probleme. Warum auch? Nur weil es nicht so ist, wie bei uns?

Hungern ist nicht gleich verhungern. Einfach bedeutet nicht unzureichend. Langsam heißt nicht rückschrittlich. Und Afrika heute ist schon gar nicht Europa vor x Jahren. Ich könnte diese Reihe weiter fortsetzen, könnte auch gegenteilige Aspekte nennen (Fehlende Bildung halte ich bspw. wirklich für ein großes Problem.), könnte Dinge nennen, die hier besser laufen (In einem Land, in dem viele Dinge schwer zu bekommen sind, findet nahezu alles auf grandios kreativem Wege ein zweites Leben!), doch die Liste wäre ziemlich lang. Das erspare ich euch an dieser Stelle und ich begnüge mich damit, festzustellen, dass, wenn Afrika tatsächlich ein Problem hat, es (zumindest in Burkina Faso, für den Rest kann ich nicht sprechen) nicht das Problem ist, welches ich von "Armut" bisher im Kopf hatte.
Möglicherweise ist es schlicht und einfach die einnehmende Überheblichkeit europäischen Gedankenguts?

So wird meine Weltsicht hier tageweise auf den Kopf gestellt, ich bin zwischen den Welten. Tageweise bin ich ein bisschen Burkinabè, sitze mit einem Tuch um den Hüften stundenlang bei meiner "Mama", die mir kunstvoll die Haare flechtet oder rupfe Hühner, die bis vor kurzem noch gackernd auf unserer Terrasse saßen. Tageweise benehme ich mich ganz wie zu Hause. Das ist hier toleriert und wird irgendwie auch von vielen Burkinabè angestrebt. Diese Tage tun mir ab und zu richtig gut, aber tun sie auch Burkina Faso gut? - Mit dieser Frage und all den kleinen und großen Zweifeln, die sich so zahlreich darin verstecken, stelle ich fest, dass 2011 mich unglaublich viel weiter gebracht hat. Es war kein leichtes Jahr, doch ich habe sehr, sehr viel gelernt. Und so blicke ich mit großer Geduld und Zuversicht dem entgegen, was 2012 für mich bereit hält.

Euch allen sende ich an dieser Stelle meine herzlichsten nachträglichen Weihnachtsgrüße sowie alles Gute für das Jahr 2012! Vielleicht kann euch ja in diesem Jahr der eine oder andere meiner Gedanken irgendwie erreichen… Lasst mich doch gerne auch an euren Gedanken teilhaben! Die Internetverbindung lässt nicht sonderlich oft eine Antwort zu, aber ich freue mich wirklich sehr darüber. A propos, an dieser Stelle einen riesigen Dank für die Grüße, die ich erhalten habe!

* Es gab daher nur einen Ausweg: die Flucht. Und zwar weg, weit weg. Ein Dorf bei Ouagadougou in Burkina Faso: das klang nach dem Ende der Welt. Dort würden sie mich sicher nicht finden.

P.S. Ich habe inzwischen die Resultate vom Labor erhalten. Ich bin schlicht und einfach kerngesund. Um mich nicht ganz als  Hypochonder dastehen zu lassen, versuchte sich der Arzt sympathischerweise noch mitleidig an der Diagnose: "Vielleicht vertragen Sie das Klima nicht so gut…".

2011-11-14

Wend na siki laafi!

… bedeutet "Gute Reise!" auf Mooré (der lokalen Sprache, die ich mit Hilfe des Nachbarsjungen zu erlernen versuche, wobei (angeblich! *hüstel*) eher von mäßigen Fortschritten zu berichten ist) - und das beschreibt sowohl meinen derzeitigen physischen Aufenthaltsort als auch meinen emotionalen Zustand ziemlich gut.

Physisch gesehen ging es für mich, wie im letzten Eintrag bereits angedeutet, nach gesundheitlicher Wiederherstellung (wobei kleinere Rückfälle keinesfalls ausgeschlossen waren!) nun endgültig in mein Projekt aufs Dorf. Das hat im Wesentlichen zwei Folgen: 1. Ich bin jetzt in Saponé und 2. Ich bin nicht mehr in Ouagadougou. Erstens bedeutet, dass ich ab sofort mehr oder weniger allein bin, dass ich nun Wasser am Brunnen hole, dass die Auswahl an Handelswaren stark eingeschränkt oder überteuert ist und dass ich vorerst keinen Internetanschluss mehr habe (das ist im Übrigen auch der Grund für diesen späten Eintrag und die ausbleibenden Antworten auf die netten Reaktionen und Mails zu meinem letzten Eintrag. Ich habe mich sehr darüber gefreut!). An dieser Stelle kommt Zweitens ins Spiel, denn um diese Defizite auszugleichen, muss ich mich am Anfang zwangsläufig ziemlich oft zurück in mein 40km entferntes, altes burkinisches Leben nach Ouagadougou begeben. Das gestaltet sich nicht immer ganz so einfach. Zunächst einmal ist mein Betreuer vor Ort derart besorgt um mich (was an und für sich eine wirklich tolle Sache ist!), dass er mich am liebsten persönlich im Schneckentempo nach Ouaga befördern würde, was er auch schon ein paar Mal (im, sagen wir "beschleunigten", Schneckentempo) getan hat. Diese Freundlichkeit macht mir als Europäerin jedoch öfter ein schlechtes Gewissen, weshalb ich ganz gerne versuche, die Beförderung durch das Buschtaxi (einen Kleinbus, der auf dem Dach seiner eigen Höhe entsprechend Ladung stapeln kann - beeindruckend!) in Anspruch zu nehmen. Dieses hat wiederum den Nachteil, dass es nur einmal täglich fährt und die Abfahrtszeit nur auf 1-3 Stunden genau abschätzbar ist, sodass bei einer solchen Fahrt inklusive Anfahrt und Wartezeit schon mal ein halber Tag drauf gehen kann. Wenn man bedenkt, dass ich am Wochenende genau von Samstag Mittag bis Sonntag Abend Zeit habe, stellt sich zwingenderweise die Frage nach dem Sinn eines solchen Ausflugs, der dadurch, dass man nie zu dem kommt, was man sich eigentlich vorgenommen hat, natürlich des Öfteren zu wiederholen ist… "Gute Reise!", wünsche ich!

 Mein Buschtaxi

Emotional gesehen befinde ich mich derzeit ebenfalls ständig unterwegs. Unterwegs zwischen fasziniert und schockiert, zwischen sehr glücklich und furchtbar allein. Das Leben hier ist genau das, was ich mir erträumt hatte. Es ist recht einfach und überschaubar. Ich hab mein kleines Häuschen, was sich glücklicherweise unweit vom nächsten Brunnen befindet. Ich stehe zum Sonnenaufgang auf und gehe kurz nach Sonnenuntergang zu Bett (lächerlich eigentlich…!). Ich fahre täglich ein paar Kilometer auf roter Piste durch die Savanne und lasse mir den staubigen Wind durch die Haare wehen, um anschließend von großen Augen und strahlenden Gesichtern in der Schule empfangen zu werden. Die Familie des Direktors kümmert sich ganz reizend um mich und hat mich mehr oder weniger aufgenommen (und wehe es vergeht ein Tag, an dem ich nicht vorbeischaue!) - ich habe tatsächlich "meine" afrikanische Familie! Zudem habe ich sehr nette Nachbarn, die mir, wie oben bereits erwähnt, sogar Mooréstunden geben. Ich habe die Großstadt hinter mir gelassen und atme wieder Luft (!) ein und aus. Eigentlich wunderbar. Und doch überfordert es mich stellenweise. Ich sehe meine lieb gewonnene Familie aus Mietfreiwilligen, mit denen man so herrliche Diskussionen führen kann, nur noch selten. Ich bin ganz allein im Haus, lebe mit einfachen sanitären Anlagen. Ich fühle mich verpflichtet, zu allen im Dorf freundlich zu sein, auch wenn ich müde und fertig bin - Anonymität gibt es nicht. Ich sehe Armut und damit mit die Frage "Geben oder nicht?". Keine Ahnung! Was soll man sagen, was soll man denken, was soll man tun, wenn die Schüler stinken, weil sie sich nicht einmal Seife zum Waschen leisten können? Wenn sie tagein, tagaus die selbe Kleidung tragen? Wenn sie unkonzentriert sind, weil sie nichts zum Essen haben? Wenn von Mädchenbeschneidung gesprochen wird? Wenn aber gleichzeitig vielerorts von Weißen erwartet wird, dass sie Geld geben? Dass sie das Auto vom Dorfchef bezahlen? Wenn man nicht weiß, wie richtige Hilfe aussieht? Ich jedenfalls weiß es nicht. Ich weiß gar nichts und sitze die Situation aus, warte auf Antworten, kämpfe tagtäglich meinen moralischen Krieg gegen den spontanen Hilfsimpuls, warte. Wie gut ist es da, dass mich der Alltag schon genug fordert! Wie gut, dass ich nach einem Tag in der Schule fix und fertig bin, dass das Wäschewaschen einige Stunden dauert, und die Besorgung eines Scheuerlappens Wochen in Anspruch nehmen kann. Und wie gut, dass sich mein Kreislauf immer noch nicht an die Hitze gewöhnt hat… So kann ich wenigstens gut und viel schlafen und am nächsten Morgen wieder unbeschwert in einen neuen Tag voller Fragen starten.

 Mein Haus (Hier noch in der Regenzeit)
Mein Schulweg

2011-10-16

An und für sich.

An und für sich könnte ich diesen Eintrag genau so nennen, wie den letzten (sprich: Alles ist ganz genau so, wie man es sich vorstellt). In den vergangenen zwei Wochen durfte ich nämlich erleben, dass weiße Touristen (wobei der Gebrauch des Wortes "Tourist" an dieser Stelle die schon fast philosophische Frage aufwirft, welchen Sinn ein Freiwilligendienst erfüllt. Das ist ein heikles Thema und daher spare ich es mir lieber für das (sicherlich kommende) Winterloch auf und nutze weiterhin unbekümmert den Begriff "Tourist".) in der Tat gerne krank werden, da sie die örtlichen Hygieneverhältnisse nicht gewohnt sind und zudem ihren Kreislauf mit den ungewohnten Temperaturen mächtig strapazieren.

An und für sich war ich ja überhaupt nicht krank. Ich hatte den September noch mit am besten von allen überstanden und hatte auch jetzt nur ein bisschen Kopfschmerzen. Das war ja soweit nichts Ungewöhnliches bei mir, schon gar nicht in der Hitze. Die Müdigkeit hatte ich darauf geschoben, dass auf dem Dorf (Ich war am 1. Oktober aufs Dorf aufgebrochen, um in mein eigentliches Projekt zu starten, musste aber auf Grund der nun folgenden Geschichte schon noch zwei Tagen wieder nach Ouagadougou zurückkehren, wo ich mich noch immer befinde.) so viele neue Eindrücke auf mich einprasselten und ich mich ganz neu eingwöhnen musste. Zudem hörte ich den ganzen Tag um mich herum Mooré (die lokale Sprache), was die Ohren doch sehr viel mehr ermüdete als das inzwischen recht geläufige Französisch. Mehr auf das Drängen diverser Leute hin als aufgrund eigener Besorgnis machte ich daher schließlich nach 3 Tagen Kopfschmerzen einen Malariatest. Eine Formsache, dachte ich. Doch das Ergebnis war positiv. Ich musste ganz schön lachen, als ich das Resultat in den Händen hielt, denn wenn das hier Malaria war, dann muss die westliche Welt wirklich einen schönen Schatten haben mit ihrer Panik vor dieser ach-so-schlimmen-und-
gefährlichen Krankheit. Mir ging's doch gut! Also begann ich die Medikamente zu nehmen. Die (Fieslinge!) haben mich dann ganz schön fertig gemacht und mein Inmmunsystem so sehr geschwächt, dass ich in den folgenden anderthalb Wochen von Angina über Magen-Darm-Grippe bis hin zu Schwindel alle Krankheiten und Symptome mitgenommen habe, die das lokale Portfolio so aufzuweisen hat. Ich verließ das Haus schließlich nur noch, um regelmäßig zum Arzt zu gehen und über die neuesten Errungenschaften im Reich der Maladien Bericht zu erstatten. Ansonsten verbrachte ich den Tag schön weit weg von allem, was auch nur in irgendeiner Form burkinisch anmutete, unter meinem Moskitonetz in unserem Haus in Ouaga.

An und für sich geht es mir aber wieder gut. Ab und zu erleide ich noch den Beginn eines Rückfalls, doch die Effekte der Malariamedikamente und Antibiotika dürften zu großen Teilen ausgestanden sein und ich traue mich wieder vor die Tür. Heute werde ich auch wieder aufs Dorf aufbrechen. Ich bin frohen Mutes und freue mich darauf, morgen richtig ins Projekt starten zu können. Mein Leben mit den Schokokrümeln :).

An und für sich würde ich wirklich gerne noch mehr Positives erzählen. Die letzten zwei Wochen geben das aber leider nicht her und daher verbleibe ich in der Hoffnung auf den nächsten Eintrag.

P.S. Hannes ist gut in Down Under gelandet und chillt grad ganz hart. Nähere Infos auf: http://rooksack.blogspot.com/.

2011-09-29

Alles (und zwar nahezu wirklich alles hier)...

...ist ganz genau so, wie man es sich vorstellt.

Es beginnt schon mit der Ankunft auf dem „internationalen“ Aeroport von Ouagadougou. Wir, d.h. meine vier Mitfreiwilligen und ich, verlassen das Flugzeug. Es ist furchtbar heiß und der Schweiß macht sich binnen weniger Minuten an allen möglichen und unmöglichen Körperteilen bemerkbar. Es ist schrecklich. Insbesondere da ich den Gedanken nicht verdrängen kann, dass ich kein Mückenschutzmittel aufgetragen habe und dass der Schweißgeruch die Mücken anzieht. Mir ist sofort klar, dass dieses Jahr nicht ohne Malaria vergehen wird. Nervös zucke ich ab und zu mit den Waden, in der verzweifelten Hoffnung, dies könne die Biester vom Stechen abhalten. Doch spätestens am nächsten Morgen wird mir klar , dass sich diese Strategie als nicht sehr erfolgreich erwiesen hat. In den folgenden Tagen finde ich meine Beschäftigung daher darin, diverse in unserer WG vorhandene Mückenschutzmittel auf ihre Effektivität hin zu testen. Die Ergebnisse sind durchweg unbefriedigend. Glücklicherweise bringt die Hitze in diesem Land aber eine gewisse Lethargie mit sich. Mein Hirn schaltet schon nach wenigen Tagen auf Sparflamme und das Malariaproblem ist vergessen. Ich bin angekommen.
Das Haus, in dem sich die selbsternannte „Chiller-WG“ befindet (was an und für sich vollkommen unnötig ist, da man bei den klimatischen Bedingungen ohnehin nichts tun kann, was nicht in irgendeiner Form als chillig bezeichnet werden könnte), befindet sich relativ zentral in einem belebten Stadtteil von Ouagadougou. Dabei bezieht sich belebt weder auf die Kolibris, Eidechsen, Geckos oder Insekten, die hier zu unserer Ausstattung gehören, noch auf die Mangobäume oder Granatapfelbüsche in unserem Garten, sondern vielmehr darauf, dass wir mitten in der Marktstraße wohnen. Soll heißen: um unser Haus zu verlassen, müssen wir zwangsläufig durch den Markt gehen. Das ist praktisch, aber auch ganz schön laut. Überhaupt ist Ouagadougou ziemlich laut. Dazu noch stickig, staubig und schmutzig – ein Traum. Am Bequemsten lässt sich das aus dem Taxi heraus erleben. Der Duft nach Benzin, Motoröl und Abgas, begleitet vom Klappern des Taxis (je nach Taxi klappert etwas anderes, gerne auch mal das ganze Gefährt...) untermalt die Aussicht auf löchrige Lehmstraßen, improvisierte Boutiquen und Bars am Straßenrand, fliegende Händler und natürlich auf die Elektroroller, die so typisch für diese Stadt sind. Sie gehören all denen, die sich kein Auto leisten können, die für ein Fahrrad aber zu reich sind. Und das sind in Ouagadougou ziemlich viele, zumal man nicht einmal einen Führerschein braucht, um mit ihnen über die Avenues tuckern zu dürfen. Am authentischsten lässt sich die Stadt daher vom Moto aus erleben, chauffiert von einem Burkinabé, der die hiesigen Verkehrsverhältnisse (hoffentlich) verinnerlicht hat. Für alle weniger Abenteuerlustigen bietet das Taxi eine gute und billige Alternative, die an Erlebniswert nicht zwangsweise minderwertiger ist, insbesondere nicht in der Kombination 7 Personen – 2 Kühlschränke – 1 Peugeot 307, welche wir gleich an unserem zweiten Tag hier erleben durften. Ich erwähnte ja bereits: es ist genau so, wie man es sich vorstellt. Manchmal sogar noch ein bisschen mehr so. Und es ist wunderbar! Da das gerade am Anfang aber auch ganz schön anstrengend sein kann, haben wir uns, sozusagen als Gegenpart zum ouagalesischen Leben. hier unsere kleine Oase geschaffen: ein Haus, in dem wir abschalten können und in dem wir (nahezu) westlichen Standard genießen dürfen. Es geht uns allen sehr gut.


P.S. Da das Internet hier allerdings ebenfalls ganz genauso ist, wie man es sich vorstellt (und das heißt unzuverlässig und langsam), kann es manchmal ganz schön lange dauern, bis ich euch das hier in diesem Blog mitteilen kann. Ich versuche schon seit Tagen, diesen EIntrag hier zu veröffentlichen. Bitte macht euch keine Sorgen. Wie gesagt, es geht uns allen sehr gut.

Nachmittagsbeschäftigung 

 Der Markt vor unserer Haustür

Kathi auf unserer Terrasse

2011-08-09

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Gleich zu Beginn meiner Blogaktivität liegt es mir sehr am Herzen, euch ausdrücklich zu sagen, dass ich mich unglaublich über Kommentare eurerseits freue! Auch wenn ich jetzt noch nicht sicher sagen kann, inwiefern ich vor Ort dazu komme, sie zu beantworten, werde ich sie ganz sicher alle lesen...

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