2011-11-14

Wend na siki laafi!

… bedeutet "Gute Reise!" auf Mooré (der lokalen Sprache, die ich mit Hilfe des Nachbarsjungen zu erlernen versuche, wobei (angeblich! *hüstel*) eher von mäßigen Fortschritten zu berichten ist) - und das beschreibt sowohl meinen derzeitigen physischen Aufenthaltsort als auch meinen emotionalen Zustand ziemlich gut.

Physisch gesehen ging es für mich, wie im letzten Eintrag bereits angedeutet, nach gesundheitlicher Wiederherstellung (wobei kleinere Rückfälle keinesfalls ausgeschlossen waren!) nun endgültig in mein Projekt aufs Dorf. Das hat im Wesentlichen zwei Folgen: 1. Ich bin jetzt in Saponé und 2. Ich bin nicht mehr in Ouagadougou. Erstens bedeutet, dass ich ab sofort mehr oder weniger allein bin, dass ich nun Wasser am Brunnen hole, dass die Auswahl an Handelswaren stark eingeschränkt oder überteuert ist und dass ich vorerst keinen Internetanschluss mehr habe (das ist im Übrigen auch der Grund für diesen späten Eintrag und die ausbleibenden Antworten auf die netten Reaktionen und Mails zu meinem letzten Eintrag. Ich habe mich sehr darüber gefreut!). An dieser Stelle kommt Zweitens ins Spiel, denn um diese Defizite auszugleichen, muss ich mich am Anfang zwangsläufig ziemlich oft zurück in mein 40km entferntes, altes burkinisches Leben nach Ouagadougou begeben. Das gestaltet sich nicht immer ganz so einfach. Zunächst einmal ist mein Betreuer vor Ort derart besorgt um mich (was an und für sich eine wirklich tolle Sache ist!), dass er mich am liebsten persönlich im Schneckentempo nach Ouaga befördern würde, was er auch schon ein paar Mal (im, sagen wir "beschleunigten", Schneckentempo) getan hat. Diese Freundlichkeit macht mir als Europäerin jedoch öfter ein schlechtes Gewissen, weshalb ich ganz gerne versuche, die Beförderung durch das Buschtaxi (einen Kleinbus, der auf dem Dach seiner eigen Höhe entsprechend Ladung stapeln kann - beeindruckend!) in Anspruch zu nehmen. Dieses hat wiederum den Nachteil, dass es nur einmal täglich fährt und die Abfahrtszeit nur auf 1-3 Stunden genau abschätzbar ist, sodass bei einer solchen Fahrt inklusive Anfahrt und Wartezeit schon mal ein halber Tag drauf gehen kann. Wenn man bedenkt, dass ich am Wochenende genau von Samstag Mittag bis Sonntag Abend Zeit habe, stellt sich zwingenderweise die Frage nach dem Sinn eines solchen Ausflugs, der dadurch, dass man nie zu dem kommt, was man sich eigentlich vorgenommen hat, natürlich des Öfteren zu wiederholen ist… "Gute Reise!", wünsche ich!

 Mein Buschtaxi

Emotional gesehen befinde ich mich derzeit ebenfalls ständig unterwegs. Unterwegs zwischen fasziniert und schockiert, zwischen sehr glücklich und furchtbar allein. Das Leben hier ist genau das, was ich mir erträumt hatte. Es ist recht einfach und überschaubar. Ich hab mein kleines Häuschen, was sich glücklicherweise unweit vom nächsten Brunnen befindet. Ich stehe zum Sonnenaufgang auf und gehe kurz nach Sonnenuntergang zu Bett (lächerlich eigentlich…!). Ich fahre täglich ein paar Kilometer auf roter Piste durch die Savanne und lasse mir den staubigen Wind durch die Haare wehen, um anschließend von großen Augen und strahlenden Gesichtern in der Schule empfangen zu werden. Die Familie des Direktors kümmert sich ganz reizend um mich und hat mich mehr oder weniger aufgenommen (und wehe es vergeht ein Tag, an dem ich nicht vorbeischaue!) - ich habe tatsächlich "meine" afrikanische Familie! Zudem habe ich sehr nette Nachbarn, die mir, wie oben bereits erwähnt, sogar Mooréstunden geben. Ich habe die Großstadt hinter mir gelassen und atme wieder Luft (!) ein und aus. Eigentlich wunderbar. Und doch überfordert es mich stellenweise. Ich sehe meine lieb gewonnene Familie aus Mietfreiwilligen, mit denen man so herrliche Diskussionen führen kann, nur noch selten. Ich bin ganz allein im Haus, lebe mit einfachen sanitären Anlagen. Ich fühle mich verpflichtet, zu allen im Dorf freundlich zu sein, auch wenn ich müde und fertig bin - Anonymität gibt es nicht. Ich sehe Armut und damit mit die Frage "Geben oder nicht?". Keine Ahnung! Was soll man sagen, was soll man denken, was soll man tun, wenn die Schüler stinken, weil sie sich nicht einmal Seife zum Waschen leisten können? Wenn sie tagein, tagaus die selbe Kleidung tragen? Wenn sie unkonzentriert sind, weil sie nichts zum Essen haben? Wenn von Mädchenbeschneidung gesprochen wird? Wenn aber gleichzeitig vielerorts von Weißen erwartet wird, dass sie Geld geben? Dass sie das Auto vom Dorfchef bezahlen? Wenn man nicht weiß, wie richtige Hilfe aussieht? Ich jedenfalls weiß es nicht. Ich weiß gar nichts und sitze die Situation aus, warte auf Antworten, kämpfe tagtäglich meinen moralischen Krieg gegen den spontanen Hilfsimpuls, warte. Wie gut ist es da, dass mich der Alltag schon genug fordert! Wie gut, dass ich nach einem Tag in der Schule fix und fertig bin, dass das Wäschewaschen einige Stunden dauert, und die Besorgung eines Scheuerlappens Wochen in Anspruch nehmen kann. Und wie gut, dass sich mein Kreislauf immer noch nicht an die Hitze gewöhnt hat… So kann ich wenigstens gut und viel schlafen und am nächsten Morgen wieder unbeschwert in einen neuen Tag voller Fragen starten.

 Mein Haus (Hier noch in der Regenzeit)
Mein Schulweg

2011-10-16

An und für sich.

An und für sich könnte ich diesen Eintrag genau so nennen, wie den letzten (sprich: Alles ist ganz genau so, wie man es sich vorstellt). In den vergangenen zwei Wochen durfte ich nämlich erleben, dass weiße Touristen (wobei der Gebrauch des Wortes "Tourist" an dieser Stelle die schon fast philosophische Frage aufwirft, welchen Sinn ein Freiwilligendienst erfüllt. Das ist ein heikles Thema und daher spare ich es mir lieber für das (sicherlich kommende) Winterloch auf und nutze weiterhin unbekümmert den Begriff "Tourist".) in der Tat gerne krank werden, da sie die örtlichen Hygieneverhältnisse nicht gewohnt sind und zudem ihren Kreislauf mit den ungewohnten Temperaturen mächtig strapazieren.

An und für sich war ich ja überhaupt nicht krank. Ich hatte den September noch mit am besten von allen überstanden und hatte auch jetzt nur ein bisschen Kopfschmerzen. Das war ja soweit nichts Ungewöhnliches bei mir, schon gar nicht in der Hitze. Die Müdigkeit hatte ich darauf geschoben, dass auf dem Dorf (Ich war am 1. Oktober aufs Dorf aufgebrochen, um in mein eigentliches Projekt zu starten, musste aber auf Grund der nun folgenden Geschichte schon noch zwei Tagen wieder nach Ouagadougou zurückkehren, wo ich mich noch immer befinde.) so viele neue Eindrücke auf mich einprasselten und ich mich ganz neu eingwöhnen musste. Zudem hörte ich den ganzen Tag um mich herum Mooré (die lokale Sprache), was die Ohren doch sehr viel mehr ermüdete als das inzwischen recht geläufige Französisch. Mehr auf das Drängen diverser Leute hin als aufgrund eigener Besorgnis machte ich daher schließlich nach 3 Tagen Kopfschmerzen einen Malariatest. Eine Formsache, dachte ich. Doch das Ergebnis war positiv. Ich musste ganz schön lachen, als ich das Resultat in den Händen hielt, denn wenn das hier Malaria war, dann muss die westliche Welt wirklich einen schönen Schatten haben mit ihrer Panik vor dieser ach-so-schlimmen-und-
gefährlichen Krankheit. Mir ging's doch gut! Also begann ich die Medikamente zu nehmen. Die (Fieslinge!) haben mich dann ganz schön fertig gemacht und mein Inmmunsystem so sehr geschwächt, dass ich in den folgenden anderthalb Wochen von Angina über Magen-Darm-Grippe bis hin zu Schwindel alle Krankheiten und Symptome mitgenommen habe, die das lokale Portfolio so aufzuweisen hat. Ich verließ das Haus schließlich nur noch, um regelmäßig zum Arzt zu gehen und über die neuesten Errungenschaften im Reich der Maladien Bericht zu erstatten. Ansonsten verbrachte ich den Tag schön weit weg von allem, was auch nur in irgendeiner Form burkinisch anmutete, unter meinem Moskitonetz in unserem Haus in Ouaga.

An und für sich geht es mir aber wieder gut. Ab und zu erleide ich noch den Beginn eines Rückfalls, doch die Effekte der Malariamedikamente und Antibiotika dürften zu großen Teilen ausgestanden sein und ich traue mich wieder vor die Tür. Heute werde ich auch wieder aufs Dorf aufbrechen. Ich bin frohen Mutes und freue mich darauf, morgen richtig ins Projekt starten zu können. Mein Leben mit den Schokokrümeln :).

An und für sich würde ich wirklich gerne noch mehr Positives erzählen. Die letzten zwei Wochen geben das aber leider nicht her und daher verbleibe ich in der Hoffnung auf den nächsten Eintrag.

P.S. Hannes ist gut in Down Under gelandet und chillt grad ganz hart. Nähere Infos auf: http://rooksack.blogspot.com/.

2011-09-29

Alles (und zwar nahezu wirklich alles hier)...

...ist ganz genau so, wie man es sich vorstellt.

Es beginnt schon mit der Ankunft auf dem „internationalen“ Aeroport von Ouagadougou. Wir, d.h. meine vier Mitfreiwilligen und ich, verlassen das Flugzeug. Es ist furchtbar heiß und der Schweiß macht sich binnen weniger Minuten an allen möglichen und unmöglichen Körperteilen bemerkbar. Es ist schrecklich. Insbesondere da ich den Gedanken nicht verdrängen kann, dass ich kein Mückenschutzmittel aufgetragen habe und dass der Schweißgeruch die Mücken anzieht. Mir ist sofort klar, dass dieses Jahr nicht ohne Malaria vergehen wird. Nervös zucke ich ab und zu mit den Waden, in der verzweifelten Hoffnung, dies könne die Biester vom Stechen abhalten. Doch spätestens am nächsten Morgen wird mir klar , dass sich diese Strategie als nicht sehr erfolgreich erwiesen hat. In den folgenden Tagen finde ich meine Beschäftigung daher darin, diverse in unserer WG vorhandene Mückenschutzmittel auf ihre Effektivität hin zu testen. Die Ergebnisse sind durchweg unbefriedigend. Glücklicherweise bringt die Hitze in diesem Land aber eine gewisse Lethargie mit sich. Mein Hirn schaltet schon nach wenigen Tagen auf Sparflamme und das Malariaproblem ist vergessen. Ich bin angekommen.
Das Haus, in dem sich die selbsternannte „Chiller-WG“ befindet (was an und für sich vollkommen unnötig ist, da man bei den klimatischen Bedingungen ohnehin nichts tun kann, was nicht in irgendeiner Form als chillig bezeichnet werden könnte), befindet sich relativ zentral in einem belebten Stadtteil von Ouagadougou. Dabei bezieht sich belebt weder auf die Kolibris, Eidechsen, Geckos oder Insekten, die hier zu unserer Ausstattung gehören, noch auf die Mangobäume oder Granatapfelbüsche in unserem Garten, sondern vielmehr darauf, dass wir mitten in der Marktstraße wohnen. Soll heißen: um unser Haus zu verlassen, müssen wir zwangsläufig durch den Markt gehen. Das ist praktisch, aber auch ganz schön laut. Überhaupt ist Ouagadougou ziemlich laut. Dazu noch stickig, staubig und schmutzig – ein Traum. Am Bequemsten lässt sich das aus dem Taxi heraus erleben. Der Duft nach Benzin, Motoröl und Abgas, begleitet vom Klappern des Taxis (je nach Taxi klappert etwas anderes, gerne auch mal das ganze Gefährt...) untermalt die Aussicht auf löchrige Lehmstraßen, improvisierte Boutiquen und Bars am Straßenrand, fliegende Händler und natürlich auf die Elektroroller, die so typisch für diese Stadt sind. Sie gehören all denen, die sich kein Auto leisten können, die für ein Fahrrad aber zu reich sind. Und das sind in Ouagadougou ziemlich viele, zumal man nicht einmal einen Führerschein braucht, um mit ihnen über die Avenues tuckern zu dürfen. Am authentischsten lässt sich die Stadt daher vom Moto aus erleben, chauffiert von einem Burkinabé, der die hiesigen Verkehrsverhältnisse (hoffentlich) verinnerlicht hat. Für alle weniger Abenteuerlustigen bietet das Taxi eine gute und billige Alternative, die an Erlebniswert nicht zwangsweise minderwertiger ist, insbesondere nicht in der Kombination 7 Personen – 2 Kühlschränke – 1 Peugeot 307, welche wir gleich an unserem zweiten Tag hier erleben durften. Ich erwähnte ja bereits: es ist genau so, wie man es sich vorstellt. Manchmal sogar noch ein bisschen mehr so. Und es ist wunderbar! Da das gerade am Anfang aber auch ganz schön anstrengend sein kann, haben wir uns, sozusagen als Gegenpart zum ouagalesischen Leben. hier unsere kleine Oase geschaffen: ein Haus, in dem wir abschalten können und in dem wir (nahezu) westlichen Standard genießen dürfen. Es geht uns allen sehr gut.


P.S. Da das Internet hier allerdings ebenfalls ganz genauso ist, wie man es sich vorstellt (und das heißt unzuverlässig und langsam), kann es manchmal ganz schön lange dauern, bis ich euch das hier in diesem Blog mitteilen kann. Ich versuche schon seit Tagen, diesen EIntrag hier zu veröffentlichen. Bitte macht euch keine Sorgen. Wie gesagt, es geht uns allen sehr gut.

Nachmittagsbeschäftigung 

 Der Markt vor unserer Haustür

Kathi auf unserer Terrasse

2011-08-09

kommentare SEHR erwünscht!

Gleich zu Beginn meiner Blogaktivität liegt es mir sehr am Herzen, euch ausdrücklich zu sagen, dass ich mich unglaublich über Kommentare eurerseits freue! Auch wenn ich jetzt noch nicht sicher sagen kann, inwiefern ich vor Ort dazu komme, sie zu beantworten, werde ich sie ganz sicher alle lesen...

der/das blog ist da!

So, ich habe es geschafft und den/das Blog (wie heißt es denn jetzt eigentlich?) gebaut und außerdem die Info-Seiten angelegt. Jetzt muss ich ihn nur noch regelmäßig mit Inhalten füttern!