2012-04-03

Was lange währt…



Morgens, 06.00 Uhr. Das mit angenehmen 10 Personen besetzte Buschtaxi hält an der Mautstation. Einer kurzen Unterhaltung zwischen dem Fahrer und dem Beamten folgend, bewegt sich das Gefährt sogleich wieder rückwärts aus der Mautstation heraus. Aha, Streckenkontrolle. Vielen Dank für den Hinweis! Das Taxi verlässt die Straße. biegt in einen Trampelpfad (!) ein und umfährt das betroffene Gelände weiträumig. Wir Passagiere bekommen die Gelegenheit, den Sonnenaufgang sozusagen "ganz ländlich" zu erleben. Außer mir interessiert das natürlich niemanden. Ich aber genieße die geschenkte Zeit und sehe der Sonne dabei zu, wie sie langsam aber sicher die Savanne erobert und die angenehme Frische des Morgens in sengende Hitze verwandelt. Wir kommen spät in Ouagadougou an, doch was lange währt, wird endlich gut. In diesem Sinne: ich habe mich lange nicht gemeldet, habe aber im Grunde auch nur Gutes zu vermelden.

Januar und Februar waren klimatisch gesehen traumhafte Monate. Es war kühl (also in etwa so wie im schönsten europäischen Sommer ;) ) und trocken. Morgens konnte man einen Pulli überwerfen und anschließend den Tag ohne ein dringendes Duschbedürfnis überstehen. Auch das Denken stellte sich, entgegen der Gewohnheit, nicht gegen 10 Uhr morgens ein. Ich fühlte mich endlich wieder lebendig und hatte genügend Energie, mein soziales Leben vor Ort etwas aufzumöbeln. Meine neu- und liebgewonnene Jungsclique wurde ein fester Bestandteil meines Lebens und gestaltete meine Abende in Saponé wesentlich chilliger und aufschlussreicher (denn sie reden viel und sie reden gern, vor allem während der tuaregsche Tee hin- und hergegossen wird!).

Ende Februar hingegen wurde es wieder anstrengender. Meine Eltern hatten sich angekündigt. Und damit nicht genug: mit ihnen kam auch die Hitze zurück. In dieser äußerst unglücklichen Kombination (sie kamen immerhin aus dem großen Frost!) verbrachten wir spannende, aber auch sehr herausfordernde 14 Tage. Mit einem gemieteten Jeep, den unser treuer Fahrer Amado witzigerweise regelmäßig gegen ein ähnliches Modell tauschte, bereisten wir den Süden und den Südwesten von Burkina Faso (Fotos folgen hoffentlich in Kürze). Außerdem verbrachten wir ein paar Tage in Saponé, wo ich versuchte, ein paar Einblicke in "mein" Leben zu geben.

Inzwischen sind die Eltern wieder daheim und die Hitze ist noch schlimmer geworden. Selbst die Burkinabé können nachts kaum schlafen. Dank meines überdurchschnittlichen Schlafvermögens habe ich damit zwar weniger Probleme, jedoch machen mir die Temperaturen tagsüber ganz schön zu schaffen. Bewegung ist nur noch im Ausnahmefall eine Option. Denken sowieso schon gar nicht. Motivierend wirkt da jedoch, dass es auf der Arbeit endlich Fortschritte zu verzeichnen gibt. Letzte Woche haben mich Kathi, Karl und Stephan bei einer Art Ferienspielen an meiner Schule unterstützt. Wir haben Theater gespielt, gekickt und gebastelt und sowohl die Kids als auch wir hatten einen Heidenspaß dabei. Außerdem gilt ab nächster Woche mein Stundenplan, in welchem festgelegt ist, wann ich in welcher Klasse Sport und Basteln/Zeichnen geben darf. Was lange währt…

…wird endlich gut. Somit sind wir auch schon wieder am Ende dieses Eintrages angelangt. Viele Grüße, viel Spaß und bis zum nächsten Mal!

1 Kommentar:

  1. Anonym18:17

    Schön wiedermal und was gutes von Dir zu lesen.
    Freue mich schon auf einen Afrika-Abend bei Deinen Eltern. Liebe Grüße von O.Klaus und T.Gina und dem ganzen anhängenden Clan, allen geht es gut.

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das hier ist eine meiner wenigen möglichkeiten, den kontakt zu euch daheimgebliebenen zu halten. da IHR mir SEHR WICHTIG seid, freue ich mich an dieser stelle über jede kurze oder lange nachricht von euch!