So, nun beginne ich meinen neuen Eintrag schon wieder mit einem Spruch auf Moore. Dabei hatte ich mir doch bei meinem vorletzten Eintrag erst eingestehen müssen, dass ein Titel in Lokalsprache eigentlich schon ein Titel zu viel war (Anm. d. Red.: Standard, Klischee, und so…). Zudem musste es diesmal ausgerechnet das "Hakuna Matata"-Äquivalent sein (Anm. d. Red.: "Kein Problem"). Ganz genauso, wie man sich das vorstellt also, womit ich immerhin zu meiner anfangs begonnenen Linie zurückkehre. Nun gut, verschwenden wir keine weiteren Worte für unnötiges Abschweifen (für diejenigen, denen dieser Umstand noch nicht aufgefallen sein sollte: eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ;) ) und wenden uns der Erklärung zu, was hier so alles kein Problem ist.
Erstens: Die Zeit. Die ist hier absolut kein Problem. Es ist schließlich reichlich da. Heute ist ein Tag, morgen ist noch einer, übermorgen gar noch einer und ihr ahnt den Fortgang dieser Reihe. Womit also ganz allgemein gesprochen auf einen Tag immer ein weiterer folgt, was demzufolge als logischer Beweis gelten kann, dass die Zeit unendlich ist. Wozu sich also stressen? Was wir in unserem Leben nicht schaffen, macht dann eben ein anderer (oder auch nicht, aber das ist für die reine Einstellungsfrage erst einmal irrelevant, denn schließlich KÖNNTE es ja ein anderer machen). Nennenswert passiert ist in der Zwischenzeit demzufolge nicht besonders viel.
Zweitens: Die Arbeit. Sie ist ebenfalls überhaupt kein Problem. Sie folgt gewissermaßen der Logik in Punkt 1. Um ehrlich zu sein, befinde ich mich nämlich noch immer in meiner Einführungsphase und habe eigentlich noch gar nicht so richtig angefangen… Bisher verbringe ich meine Zeit damit, ab und zu einmal die sechste Klasse zu unterrichten (s. Foto). Dazu sollte ich jedoch erwähnen, dass ich die erste Freiwillige in diesem Projekt bin und beide Seiten erst einmal abklopfen müssen, was in einem solchen Rahmen überhaupt möglich ist. So langsam werde ich dann aber trotzdem unruhig. Mein Betreuer hat mir daher versprochen, sich in den nächsten zwei Wochen noch einmal mit mir zusammenzusetzen und meine Aufgaben zu besprechen.

Drittens: Der burkinische "Style". Vom Prinzip und der Kreativität der Menschen her grenzenlos und der puren Fantasie überlassen (und damit ziemlich viel cooler als der unsere), ist der Kleidungsstil der Jugendlichen in der Realität leider doch oft sehr limitiert, und zwar durch die überhaupt zum Erwerb zur Verfügung stehenden Kleidungsstücke, welche entweder der jüngeren europäischen Vergangenheit oder der asiatischen Massenindustrie (in diesem Fall mit Vorliebe mit entzückenden Glitzerapplikationen) entstammen. Glücklicherweise gesellen sich zu diesen beiden Quellen noch die afrikanischen Stoffe (welche wohl zu großen Teilen leider auch in Asien produziert werden), deren Muster und Verwendungen tatsächlich keine Grenzen kennen, abgesehen von der Prämisse, dass der Mann nach Möglichkeit ein langes Beinkleid zu tragen hat und auch das der Frau zumindest das Knie berühren sollte, wenn es denn schicklich sein soll. Witzigerweise ist auch die Schuluniform keine Uniform im eigentlichen Sinne, sondern besteht lediglich in einer Vorgabe des zu wählenden Stoffes, welcher dann ganz nach persönlichem Belieben von einem Schneider zu einer netten Klamotte verarbeitet werden kann. Kleidungs- und damit Stoff-technisch beginne ich bereits, Vorräte für die Rückreise anzulegen. Haartechnisch habe ich hingegen die ersten stundenlangen Flechtexperimente hinter mir (Ergebnis s. Foto) und damit auch genug für's Erste.


Staubiger Ausblick, hier mit meiner "Gastschwester" Deo Gracias
Fünftens: Sitzfleisch. Ihr bemerkt es mal wieder an der Länge des Eintrags. Wenn man schon einmal zusammen kommt, dann kann das dauern.
Sechstens: Das Buschtaxi nach Saponé. Geht eigentlich ganz schnell, dauert nur 'nen halben Tag oder so…
Siebtens: Postkarten. Ich hatte ja nun die ein oder andere Karte versprochen. Ich fürchte, von dieser vorlauten Ankündigung leider zurücktreten zu müssen. Die Post IST hier nämlich ein Problem. Seht diesen Blog bitte als virtuellen Ersatz an, falls der ein oder andere Versuch missglücken sollte. (Auch der Ersatz kommt im Übrigen nur über Umwege zu euch, denn da ich hier leider nicht viel im Internet hochladen kann, muss dies meine vielbeschäftigte Schwester, die erschwerenderweise in ihrer Freizeit noch meinen (nicht ganz so vielbeschäftigten) Bruder durch Australien kutschiert, für mich erledigen. Eine E-Mail an sie bekomme ich nämlich mit etwas Glück ab und zu versandt…)
Achtens: Schluss machen bzw. nach Hause gehen IST ebenfalls ein Problem. "Schon? Ach bleib doch noch ein bisschen…" - "Ich will, dass ihr euch gut erholen könnt." - "Ach quatsch, du störst doch nicht." - "Ihr müsst doch morgen früh raus." - "Äh! (kurzer, giekiger Laut)" - (gedacht: "ICH muss aber morgen früh raus und ICH bin so müde, dass ich gleich vom Stuhl falle.") gesprochen: "Nagut." Daher mache ich jetzt ganz unafrikanisch an dieser Stelle Schluss. ICH finde nämlich, dass es schon wieder ganz schon viel zu lesen geworden ist. Bis zum nächsten Mal! Gleiche Welle, gleiche Stelle.